Irgendwie bin ich plötzlich da. Glücklich, ruhig und vor allem: zufrieden. Ich weiß nicht wann genau es passiert ist, aber es muss im Laufe des letzten Jahres gewesen sein. Ohne Knall, ohne aufwachen und denken “Endlich bin ich zufrieden!”. Im Laufe der letzten beiden Jahre habe ich aufgehört meinen Selbstwert in der Anerkennung von Männern zu finden, mich über deren Bestätigung zu definieren und vor allem nach ihrer Aufmerksamkeit zu betteln. Ich wollte einfach nicht mehr. Ich wollte mich auf mich selbst konzentrieren und habe es auch das erste Mal in meinem Leben so gemeint. Wirklich gemeint.

Ich war noch nie das schüchterne Mäuschen, konnte immer offen auf andere zugehen und habe sicherlich auch schon immer eine gewisse Art von Selbstbewusstsein ausgestrahlt. Trotzdem war ich mit 20 Jahren noch anders, als mit 24 oder jetzt 25. In meinen ersten beiden Jahren während des Studiums habe ich mich irgendwie verloren. Ohne es zu merken. Das sehe ich erst jetzt, einige Zeit später. Ich war zwei Jahre lang jemand, der ich heute nicht mehr bin. Irgendwie nicht mehr sein wollte und der irgendwann einfach Ruhe gefunden hat. In sich selbst und dem eigenen Leben. Ich war damals kein komplett anderer Mensch, vielen ist die Veränderung bestimmt gar nicht aufgefallen. Dafür merke ich sie umso mehr, innerlich. Ich fühle mich zum ersten Mal irgendwie erwachsen. Nicht, weil ich jetzt jeden Abend um 22.30h tot ins Bett falle oder weil ich eine Steuererklärung abgeben muss. Einfach weil ich angekommen bin. Weil ich das Gefühl habe, nicht mehr auf der Suche zu sein, nach mir, nach einem Partner, nach perfekten Freunden, nach dem perfekten Leben. Alles ist gut, so wie es ist. 

Ich nehme das Leben so wie es ist. Ich bin gelassener und weniger perfektionistisch. Ich habe aufgehört einem Ideal nachzurennen, das ich mir über die Jahre hinweg zusammengesponnen habe. Irgendwie bin ich angekommen.

Die Reise zu dir selbst ist die wichtigste Reise deines Lebens. Viele finden sich vielleicht nie, weil die Angst zu groß ist. Weil die Angst da ist, sich mit sich und seinen Fehlern auseinander zu setzen. Selbstfindung und vor allem Selbstliebe ist nicht immer Nägel lackieren und Sprudelbäder nehmen, es ist harte Arbeit und erfordert Mut. Mut seine Macken und Fehler zu akzeptieren und sich trotzdem lieben  zu können – oder gerade deshalb. Sich motivieren und auch in schlechten Momenten aus eigener Kraft hochziehen. Einfach mal alleine sein, sich kennen- und lieben lernen. Nicht vor sich wegrennen, nur weil man Angst hat, in ein Loch zu fallen. Wie soll mich jemand so lieben wie ich bin, wenn ich es nicht selbst tue? Wenn ich nicht wenigstens einmal alleine war, um herauszufinden, wer ich eigentlich bin? Mir gibt das Alleinsein so viel, dass ich es aktuell einfach nur genieße und brauche. Manchmal ernte ich mit meiner Einstellung schräge Blicke und Aussagen wie “Ach, der Richtige kommt noch!”. Als wäre es meine Lebensaufgabe, den perfekten Mann für mich zu finden? Als wäre ich nur ein ganzer Mensch, wenn ich einen zweiten an meiner Seite hätte. Schwachsinn.

 Es gab einige Männer in meinem Leben, die mich mehr Nerven gekostet haben, als dass sie mein Leben in irgendeiner Art und Weise bereichert hätten. Unzählige Wut- und Tränenausbrüche. Herzschmerz gehabt. Einfach den Menschen die Tür zu meinem Leben aufgehalten, die anscheinend lieber die nächste Tür genommen haben. Weil meine Tür vielleicht ein bisschen schwerer zu finden war. Zu oft habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe, den Fehler ständig bei mir gesucht und den anderen in den Himmel gehoben. Und irgendwann habe ich einfach aufgehört. Mich selbst innerlich geohrfeigt und angefangen, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Das war vielleicht die schwierigste, aber auch die spannendste Zeit. Nach und nach hat sich mein Seelensturm beruhigt und ist heute eine kleine ruhige Oase, in der nur manchmal ein kleines Lüftchen weht.

Eigentlich müsste ich all meinen Herzensbrechern dankbar sein. Diese Erfahrungen haben mir ganz klar gezeigt, was ich nicht will und wer ich bin. Man wächst an seinen Erfahrungen. An den guten und den schlechten Momenten. Vor allem aber an dem Liebeskummer, bei denen man richtig auf die Nase fallen musste, um endlich klar sehen zu können. Bei mir hat es ein bisschen gedauert, aber jetzt bin ich genau da, wo ich schon vor 3 Jahren gerne gewesen wäre. Bei mir selbst.

 

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