Es gibt so viele Plätze auf der Erde, die ich noch nicht gesehen habe und das macht mich wirklich verrückt. Kennt ihr das Gefühl? Etwas zu verpassen? In Bezug auf Reisen habe ich es ständig. Und auch immer dann, wenn ein warmer, sonniger Sommertag ansteht und ich nicht nach draußen gehen kann. Das ist für mich ein ganz unangenehmes Gefühl. Jedenfalls habe ich im Laufe der Jahre viele Reisen nicht gemacht, Orte nicht besucht und Kulturen nicht kennengelernt, weil ich niemanden hatte, der mit mir reisen wollte oder konnte. Und nicht jeder meiner Freunde hat diesen Drang oder die Spontanität in einem Monat aufzubrechen. Das ist absolut okay, aber ich wollte mich davon einfach nicht mehr abhalten lassen. Also habe ich im Dezember kurzerhand entschlossen: Ich fliege nach Thailand. Für drei Wochen. Ganz alleine. Ich hatte niemanden gefragt, weil ich die Antwort sowieso schon kannte und ich wollte mich herausfordern: Einfach mal alleine verreisen.

Und dann ging alles ganz schnell, meine Flüge waren gebucht, die Zeit verging wie im Flug (hehe) und der Tag meiner Abreise war gekommen. Noch immer hatte ich keinerlei Bedenken. Für viele war das ein Schock, manche konnten mein Vorhaben nicht nachvollziehen, einige waren beeindruckt, andere wiederum skeptisch: Hast du da keine Angst? Langweilst du dich da nicht? Drei Wochen, GANZ ALLEINE?! Nö – keine Ahnung, werde ich herausfinden – YES! 

Ich lebe alleine, ich kann alleine sein und ich brauche manchmal (oder auch oft) einfach meine Zeit für mich. Das müssen nicht unbedingt drei Wochen sein, aber wenn doch, dann ist es auch gut. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich 3 Wochen in meiner Wohnung (alleine) bin, oder drei Wochen in Thailand (alleine) reise. Ich bin ja nicht einsam. Ich war noch nie in meinem Leben einsam und im heutigen Zeitalter ist das auch fast unmöglich: WhatsApp und Facetime machen’s möglich, ja ich hab sogar meinen Hund schon live gesehen. Ich habe genau so viel Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden wie in Köln nur eben mit 6 Stunden Zeitverschiebung. Und wenn ich Leute unterwegs kennenlernen möchte, ist das wirklich das Einfachste der Welt. Schon auf meinen Flügen habe ich zwei junge Kerle kennengelernt, die mich die 5 Stunden nach Dubai unterhalten haben, von Dubai nach Bangkok hatte ich zwei ältere britische Herren neben mir sitzen – von Harry kenne ich die ganze Lebensgeschichte. Es ist so einfach. Menschlicher Kontakt kommt deshalb auf keinen Fall zu kurz und selbst wenn: Es kann so entspannend sein mal nur bei sich selbst zu sein, ehrlich. Ich genieße diese Me-Time sehr und würde aktuell in keiner anderen Lebenslage glücklicher sein.

Während ich den Post verfasse, sitze ich in meiner zweiten Unterkunft, einem Hostel, im Gemeinschaftsbereich. Rechts neben mir sprudelt ein Teich mit Kois, links neben mir baden einige in der Sonne und schwimmen im Pool. Hier ist immer was los, man kommt mit jedem sofort ins Gespräch und die Thais sind unheimlich freundlich und hilfsbereit. Seit einer Woche bin ich alleine und ich liebe es. In der Woche habe ich mehr Menschen kennengelernt, als in Köln in einem Monat. Ich lese, schreibe, höre Podcasts, laufe durch die Straßen, schaue mir die Kultur an, mache Ausflüge, esse, schlafe, kaufe ein – alleine. Und wenn ich darüber nachdenke frage ich mich, wieso genau das so ein großes Thema ist. Das Alleinsein. Ich werde mehrmals am Tag gefragt, ob ich alleine unterwegs bin. Viele finden es “mutig” und fragen mich, ob ich keine Angst habe, andere fragen mich warum? Ich zucke daraufhin mit den Achseln und frage zurück: Na, warum denn nicht? Wenn ich in Köln alleine bin, findet es keiner komisch. Wieso ist es so erwähnenswert, wenn man alleine in einem anderen Land ist? Ich finde es bedenklich, dass heutzutage davon ausgegangen wird, dass man alles in seinem Leben mit mindestens einer anderen Person teilen muss. Natürlich wäre es schön, wenn jemand dabei wäre. Wenn noch jemand die Zeit hier so genießen würde, wie ich es gerade tue. Aber nicht weil ich unbedingt jemanden dabei haben muss, sondern weil Reisen einfach immer schön ist. Ob alleine oder in Begleitung.

Ich glaube das größte Problem hierbei ist die Angst. Angst, dass was passieren könnte. Angst, dass man einfach komplett überfordert ist. Angst, dass man es bereut und sich am Ende vielleicht doch einsam fühlt. Im Grunde genommen muss jeder für sich selbst wissen, ob er sich eine Reise alleine zutraut. Ich traue mir schon immer lieber zu viel zu und mache es einfach. Und ich verrate euch mal was: Es funktioniert immer. Natürlich hatte auch ich meine Bedenken. Da ich super organisiert bin, dachte ich mir vor der Reise noch: Wie komm ich nur von A nach B, wie komme ich an Geld, wie wird das mit der Sprache werden etc. Aber alle Bedenken haben sich ganz schnell in Luft aufgelöst und ich habe mal wieder gemerkt, dass das Leben sich fügt und man einfach mal mitschwimmen sollte, anstatt alles kaputt zu denken. Ich kann euch nur ans Herz legen es auszuprobieren. Fangt klein an, wenn ihr euch keine 3 Wochen Thailand zutraut, aber probiert es aus. Ich möchte diese Erde nicht verlassen und mir am Ende sagen: Hättest du doch mal deine Zeit genutzt, als du noch so jung warst. Geht raus und entdeckt die Welt…und entdeckt vielleicht auch euch selbst. Die äußere Reise ist auch immer ein Stück weit mit der inneren Reise zu euch selbst verbunden (ok wow, ich bin noch zu sehr in meinem BA-Thema drin, sorrryyyy – aber it’s true!)

5 Kommentare

    • maedchenhaft
      Autor
      Februar 14, 2018 / 6:03 am

      Definitiv zu viel Heldenreise und Tschick gemacht in den letzten Wochen haha <3

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  1. Lena
    Februar 14, 2018 / 8:25 am

    Das ist genau das Thema mit dem ich mich zurzeit sehr viel beschäftige. Ich habe auch dieses unstillbare Verlangen danach die Welt zu bereisen, dieses Jahr stehen schon Barcelona und Island auf meiner Liste. Trotzdem überlege ich schon wieder wo ich denn sonst noch hin reisen könnte. Ich habe Angst irgendwann im Altersheim zu sitzen und zu bereuen die Welt nicht gesehen zu haben. Da ist aber dann mein Freund der leider nicht so viel Freude daran hat zu verreisen und meine Freunde die fast alle einen Freund haben und daher nicht mit verreisen. Eine liebe Freundin verreist zwar immer mit mir, aber die hat leider nicht immer zur gleichen Zeit frei wie ich. Das ist der Grund wieso ich mich zurzeit so viel mit dem alleine reisen beschäftige. So sehr ich den Schritt auch gerne wagen würde, stellen sich mir einige Ängste in den Weg. Die größte Angst ist wohl, wie du oben auch geschrieben hast, wie komme ich von A nach B? Ich komme aus einem kleinen Dorf und bekomme schon Panik wenn ich daran denke ich müsste in einer Kleinstadt mit dem Bus fahren, geschweige denn U-Bahn in einer Großstadt. Wie soll ich es denn dann alleine an einem Flughafen schaffen? Und wie komme ich dann im fremden Land vom Flughafen zur Unterkunft?
    Mein Ziel für 2018 ist also meine Angst zu überwinden und endlich das zu machen was mir am meisten Freude bereitet.

    Liebe Grüße,
    Lena

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  2. Christina
    Februar 14, 2018 / 9:26 am

    Wie immer ein toller Post mit großartigen Gedanken und Erkenntnissen.
    Genieß dieses Erlebnis ❤

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  3. Februar 14, 2018 / 11:49 am

    ich liebe es! Ich freue mich so für dich, dass du diesen Schritt gewagt hast und, dass es dir so viel Spaß macht! Das ist definitiv etwas das ich mir auch vorgenommen habe, denn ich glaube alleine zu reisen gibt einem so viel! Es macht so mutig und stark und sich dabei nur auf sich selbst verlassen zu müssen bringt einen so sehr zu sich selbst. Ich wünsche dir die beste Zeit, genieß es!!

    Liebst,
    Alena

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