Sunday Column: Wegwerfprodukt Freundschaft

Ich weiß was Freundschaft ist. Schon als Kind habe ich gelernt, was es bedeutet richtige Freunde zu haben, Streit zu haben, Loyal zu sein, durch Dick und Dünn zu gehen und sich niemals aufzugeben. Auch ich habe Freunde verloren. Jeder tut das – das ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Manchmal passen Leben nicht mehr zusammen, man lebt sich auseinander oder man merkt, dass man nur befreundet war, weil man sich in der Schule jahrelang jeden Tag gesehen hat. Nach dem Abi habe ich die Hälfte meiner „Freunde“ verloren. Menschen, mit denen ich viel erlebt habe, die viel von mir wissen und von denen ich damals nicht gedacht hätte, sie mal nicht mehr an meiner Seite zu haben.

Aber ich habe auch Freunde dazu gewonnen. Übers Bloggen, durch das Studium, den Umzug nach Köln. Und obwohl ich hunderte Kilometer von meinen Freunden aus der Heimat entfernt bin, bleibt alles wie es ist. Wenn ich nach Wochen wieder nach Hause komme, ist es so als wäre die Zeit stehen geblieben. Gerade in letzter Zeit merke ich, wie gesegnet ich bin, solche Freunde zu haben. Meine besten Freundinnen kenne ich seit der ersten Klasse. Seitdem hat uns nichts auseinander gebracht, kein Streit wäre jemals so groß, dass wir unsere Freundschaft einfach aufgeben würden.

Und trotzdem erlebe ich es immer wieder, wie Freundschaften zerbrechen. In meinem Umfeld. Wie Menschen leichtfertig jahrelange Freundschaften wegen einer Lappalie wegwerfen – für mich unvorstellbar. In letzter Zeit habe ich immer wieder gesagt bekommen „Jana, was ihr habt, das ist einmalig!“ und das hat mich zum Nachdenken angeregt. Ist das einmalig? Für mich ist diese Freundschaft, wie ich sie mit meinen Mädels habe, selbstverständlich. Schon immer. Wir lieben uns wie Schwestern, wir sind Familie. Seit wir Kinder sind. Ich dachte immer, alle Freundschaften wären so – aber weit gefehlt…

Vor gar nicht all zu langer Zeit fragte die Stiefmutter meiner besten Freundin sie, ob sie nicht Angst hätte, dass die Freundschaft zwischen ihr und mir einmal zerbrechen könnte. Sie fragte sie, was passieren würde, wenn wir beide den gleichen Typen gut finden würden oder ich ihr den Kerl ausspannen würde oder umgekehrt. Meine beste Freundin schickte mir unmittelbar danach eine bestürzte Nachricht. Bestürzt deshalb, weil so etwas niemals passieren würde. Kein Mann dieser Welt könnte die Macht besitzen, uns zu trennen. Was für uns absolut absurd ist, ist für viele Menschen kein Hindernis. Leider. Freundschaft ist neben der Familie das Wichtigste, was wir haben. Unsere Freunde sind es, die uns trösten, wenn der Freund uns verlässt. Weil die Liebe oftmals einfach nicht so lange hält wie eine richtige, bedingungslose Freundschaft. Ich bin mir sicher, dass meine Freundinnen und ich uns in 15 Jahren gemeinsam über unsere Kinder aufregen und mit 80 zusammen auf der Veranda im Schaukelstuhl sitzen und stricken. Oder lästern und einen Cosmopolitan schlürfen. Ja, eher das.

Freundschaft kennt kein Datum und keine Jahreszahl.

Meine Freundinnen aus der Heimat kenne ich seit der ersten Klasse, meine Freundinnen in Köln seit zwei Jahren und Leni zB. habe ich dreimal in meinem Leben gesehen und trotzdem denken alle, wir wären Schwestern. Sie alle sind für mich gleich: Ich kann mich immer auf sie verlassen. Und ich mache keine Unterschiede. Jemanden den man zwei Jahre kennt, kann man genau so lieben, wie jemanden, mit dem man aufgewachsen ist.

Wieso enden so viele Freundschaften mit einem Knall? Warum wird so wenige darum gekämpft – um die Liebe tun wir es doch auch? Den Verlust meiner besten Freundin würde mich hundertmal mehr treffen als den eines Mannes. Es kann doch nicht sein, dass Kinder die Blüte der Freundschaft zu schätzen und zu pflegen wissen und wir Erwachsenen mit dem Rasenmäher drüber mähen, ohne Rücksicht auf Verluste?

Meine beste Freundin und ich haben im letzten Jahr unseren besten Freund verloren. Er ist nicht gestorben, aber irgendwie schon. Zumindest für uns und auch aus unserem Leben. Das hat mich härter getroffen, als jeder Herzschmerz.  Wir reden immer noch oft darüber oder schicken uns Bilder, bei denen wir wissen, dass er sie ebenso witzig finden würde wie wir. Wenn wir ihn sehen ist es unheimlich komisch. Und manchmal hat man das Bedürfnis hinzugehen, ihn wir früher zu knutschen und alles zu vergessen. Stattdessen steht man nur da und versucht sich so gekonnt zu ignorieren wie es nur geht. Was ich damit sagen möchte: Es gehört zum Leben dazu Menschen zu verlieren, Freunde, geliebte Menschen  zu verlieren. Aber es sollte nicht leichtfertig hingenommen werden. Pflegt eure Freundschaften und hört erst dann damit auf, wenn ihr merkt, dass es wirklich aussichtslos ist. Wenn ihr merkt, dass euer Gegenüber mehr nimmt als er gibt. Je älter man wird, desto unwichtiger werden Streits und Diskussionen, lernt zu schätzen was ihr aneinander habt. Wahre Freundschaften sind so viel wert.

7 Kommentare

  1. Februar 12, 2017 / 11:55 am

    So ein toller Post ! Du weißt genau wann und wie du die richtigen Worte einsetzt . Wirklich beeindruckend …:)
    Hab einen schönen Sonntag !
    Allerliebste Grüße,
    Maya
    http://www.mugandmilk.de

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  2. Februar 12, 2017 / 12:41 pm

    Du triffst es auf den Punkt, mein Schatz. Besser hätte ich es nicht formulieren können.. Und hell yeah, ich bin verdammt froh, dass ich dich habe und unendlich dankbar, dich zu meinem engsten Kreis zählen zu dürfen ♥ much love!

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  3. Februar 14, 2017 / 12:22 pm

    Hallo Jana,
    tolles und so wichtiges Thema!
    Ich bin jetzt seit fast 5 Jahren aus der Schule raus. Von den vielen Schulfreundin sind leider nur eine handvoll über geblieben mit denen ich noch regelmäßig Kontakt habe. Aber für diese Freunde bin ich um so dankbarer.
    Toller Post! Liebe Grüße ♥

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  4. Februar 14, 2017 / 12:31 pm

    Hallo Jana,
    tolles Thema ♡
    Ich habe vor 5 Jahren die Schule verlassen, aber von meinen Schulfreunden ist immer noch eine kleine handvoll geblieben mit dennen ich regelmäßig Kontakt habe. Und für diese Freunde bin ich besonders dankbar.
    Liebe Grüße Imke 🙂

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