Sunday Column: Unser Kryptonit-Mensch

Wir alle haben ihn. Diesen einen Menschen, über den wir nie wirklich hinwegkommen. Der für immer ein Teil vom Leben ist. Der niemals ganz vergessen sein wird. Sei es ein Ex-Freund, eine Affäre oder auch nur dieser „Keine-Ahnung-was-das-ist“-Mensch. Ich glaube fest daran, dass wir alle irgendwann diesen Menschen kennenlernen, der alles verändert. Der alles auf den Kopf stellt und dich aus der Bahn wirft. Der auch noch nach Jahren im Kopf umherschwirrt und die ewige Frage aufwirft: Was wäre wenn? Oftmals ist dieser Mensch jemand, mit dem wir nie zusammen waren, nicht mal wissen ob wir es sein wollen. Aber gerade das macht es doch so spannend. Die Ungewissheit. Das Knistern, das sich auch nach Jahren nicht leugnen lässt. Und auch trotz monatelanger Funkstille nie weg sein wird.

Auch ich habe diesen Menschen. Seit drei Jahren ist er fester Bestandteil meines Lebens. Mal mehr, mal weniger. Mal für immer aus dem Leben verbannt und dann ein halbes Jahr später doch wieder da. Egal was man versucht, das Leben will es anders. Ich habe zweimal gekämpft und verloren. Haushoch. Er hat mich ertrinken lassen, obwohl er mir nur seinen kleinen Finger hätte reichen müssen. Ich habe mich an Worte geklammert, die vielleicht niemals so gemeint waren. Oder vielleicht doch? Zweimal gekämpft und dann irgendwann für immer aufgegeben. Jedenfalls würde ich das gerne. Aber er lässt mich nicht. Zweimal wurde uns keine Chance gegeben und immer, wenn ich damit abgeschlossen habe, taucht er wieder auf. Ein drittes Mal wird es nicht geben. Ich habe viel dazu gelernt, meine Unsicherheit verloren und mich damit abgefunden, dass es einfach nicht sein soll. Er auch. Aber irgendwie auch nicht. Jedes Mal endete es mit einem Knall und Monate später fühlte es sich an, als wäre nie etwas gewesen.

Wenn ich seinen Namen erwähne, rollen meine Freunde nur noch mit den Augen. Keiner macht sich mehr die Mühe, über ihn zu schimpfen oder ihn schlecht zu machen. Weil es sowieso nichts bringen würde. Ich weiß es, sie wissen es. Es schockiert keinen mehr, wenn ich nach monatelanger Funkstille plötzlich wieder nebenbei erwähne, dass er mir geschrieben hat. Oder angerufen. Betrunken vorzugsweise. Mich schockiert es auch nicht. Denn irgendwie beruhigt mich der Gedanke, dass er niemals weg sein wird. Er wird niemals meins sein, aber irgendwie werden wir immer verbunden sein. Er ist mein Kryptonit-Mensch.

Wir alle haben einen Kryptonit-Menschen. Kryptonit, weil er unsere Schwachstelle ist. Weil wir für immer an ihm hängen – ob wir wollen oder nicht. Es geht nicht mit, aber auch nicht ohne. Egal wie weh er uns getan hat, wir würden immer wieder blind in unser Verderben rennen. Wenn er morgen vor meiner Tür steht und mit mir durchbrennen will, werde ich ja sagen. Ohne mit der Wimper zu zucken und in vollem Bewusstsein, dass es niemals funktionieren würde. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir den Kontakt schon abgebrochen und wieder aufgenommen haben. Wie oft ich mir geschworen habe, nie wieder zu antworten oder abzuheben, wenn er anruft. Aber das ist okay.

Es gab eine Zeit da habe ich ihn gehasst. Zweimal habe ich ihn gehasst, weil er mich hat hängen lassen. Ich habe geweint, geschrien und irgendwann vergessen. Mich wieder darauf eingelassen. Verloren. Meinen verletzten Stolz so gut es ging wieder aufgebaut und damit abgeschlossen. Ich habe vergessen, dass er mir wehgetan hat. Weil ich mittlerweile weiß, dass es nie seine Absicht war. Dass unter seiner Oberfläche vielleicht mehr steckt, als er mir jemals gezeigt hat. Und es nichts mit mir zu tun hat. Ich habe akzeptiert, dass es niemals mehr sein wird als dieses Hin und her. Die offensichtlichen Gefühle, die man sich aber doch nicht zugesteht. Er ist mein Kryptonit. Und ich glaube ich bin seins.

8 Kommentare

  1. April 10, 2017 / 5:54 am

    sehr schön geschrieben! Ich hab beim Lesen nicht mal mit den Augen gerollt… 😉

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  2. April 11, 2017 / 10:13 pm

    Du hast deinen Beitrag sehr schön geschrieben 🙂
    Ich kann das gut verstehen. Ich habe auch einen Kryptonit-Menschen. Ich habe jahrelang um ihn gekämpft, alles für ihn getan, weil in meinem Inneren mir etwas sagt, er ist es wert. Als ich ihn hatte war alles perfekt bis ich ihn letztendlich doch wieder verloren habe. Aber ich bin mir sicher unsere Wege werden sich wieder kreuzen und dann würde ich wieder so handeln. Einfach, weil er für mich ganz besonders ist und immer bleiben wird.
    Alles Gute für dich 🙂
    LG Lisa

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  3. Laura
    April 15, 2017 / 6:25 pm

    Pipi in den Augen, toller Beitrag. Du hast es auf den Punkt gebracht, ich hab auch diesen Menschen. Das ständige Hin und Her macht mich wahnsinnig, nehme es jedoch in Kauf, weil ich weiß, das er dann da ist.

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  4. Jo
    April 19, 2017 / 1:56 pm

    Ich habe den gleichen Text schonmal im Internet gelesen.. du hast ihn nicht selbst geschrieben oder ?

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  5. Carolin wagner
    April 22, 2017 / 11:28 pm

    wow einfach nur wow..
    Du hast so eine fesselnde Art zu schreiben. Am liebsten hätte ich noch mehr davon gelesen.

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