Sunday Column: Über Veränderungen und die Comfort Zone

Eigentlich hasse ich Veränderungen. Als ich noch jünger war, waren Veränderungen für mich etwas, mit dem ich nur sehr schlecht umgehen konnte. Das liegt glaube ich vor allem daran, dass ich Skorpion bin und wir Skorpione nur ungern die Kontrolle abgeben. Und manche Veränderungen sind nunmal einfach unkontrollierbar. Außerdem war ich schon immer ein Mensch, der gerne in Nostalgie schwelgt und in bestimmten Situationen gerne für immer gelebt hätte.

Je älter ich wurde, desto mehr Veränderungen kamen und ich musste lernen damit umzugehen – was blieb mir auch anderes übrig. Und ich wurde besser darin. Mittlerweile kann ich materielle Dinge, die jahrelang nur bei mir rumstehen, problemlos entsorgen. Ich miste regelmäßig meinen Kleiderschrank aus und verabschiede mich von alten Dingen. Und das tut so gut. Ich hänge an keinem Menschen mehr, der nicht mehr in meinem Leben sein will und kann viel besser mit manchen Problemen umgehen – sei es ein kleiner Herzschmerz oder eine Freundschaft, die schlichtweg nicht mehr funktioniert.

Ich kann loslassen, wenn ich es muss.

Gerade in letzter Zeit spüre ich diesen Tatendrang in mir, mein Leben nochmal komplett zu verändern. Köln reicht mir nicht mehr. Ich hatte drei wunderschöne Jahre hier, aber sobald ich mein Studium beendet habe, möchte ich auch meinen Lebensabschnitt in Köln beenden. Für mich war es mit 20 Jahren das Unvorstellbarste, was ich machen konnte, meine Heimat zu verlassen und nach Köln zu ziehen, wo ich wirklich keinen Menschen kannte. Wer jahrelang im gleichen Örtchen lebt, die selben Gesichter jeden Tag sieht und dort einfach seinen routinierten Ablauf hat, der weiß was ich meine. Die Comfort Zone ist ein schönes und gleichzeitig tückisches Fleckchen, das einen auffängt aber auch extrem ausbremst. Wer immer in seiner Comfort Zone bleibt, der entwickelt sich nicht weiter. Für viele ist das vollkommen okay, für mich nicht. Und nach drei Jahren wurde Köln meine neue Comfort Zone. Ich kenne hunderte Gesichter, sehe sie täglich beim Einkaufen oder Bahn fahren. Kenne meine Orte und Wege und kann mittlerweile jedem Touristen das Bahnnetz in Köln problemlos erklären.

Ich bin in Köln angekommen, aber genau das will ich nicht. Ich fühle mich noch zu jung, um irgendwo angekommen zu sein und Wurzeln zu schlagen. Egal wie sehr ich Köln liebe, ich brauche nach drei Jahren eine Veränderung. Entweder ich gehe einen Schritt vorwärst in Richtung Weiterentwicklung oder einen zurück und bleibe in der Sicherheit. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er für immer in der Comfort Zone bleiben will, wo es sicher ist oder aber den Sprung ins kalte Wasser wagt und sich sehr wahrscheinlich weiterentwickelt. Von meiner Kleinstadt nach Köln zu ziehen, war ein unheimlich großer Schritt, den ich kein einziges Mal bereut habe. Ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nicht nochmal freiwillig erleben wollen würde, aber ich bin daran gewachsen. Köln hat mich erwachsen werden lassen und mir gezeigt, dass Veränderung manchmal etwas ganz tolles sein kann. Und genau deshalb sollte man sich viel öfter herausfordern, sich bewusst gegen die Comfort Zone entscheiden, eine neue Liebe und eine neue Stadt wagen. Und wenn es scheiße ist, dann kann man immer noch sagen: Immerhin habe ich es ausprobiert!

A ship is always safe at the shore, but that is not what it is built for. – Albert Einstein

3 Kommentare

  1. Juni 26, 2017 / 9:30 pm

    Hallo liebe Jana,
    ein sehr ehrlicher Beitrag, der sicher vielen aus der Seele spricht!
    Ich finde es auch wichtig, die Grenzen der Comfort Zone nicht als unüberwindbar zu betrachten.
    Ich wünsche dir viel Glück und Erfolg bei der nächsten Veränderung!
    Liebe Grüße
    Susi

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    • maedchenhaft
      Juni 27, 2017 / 9:58 am

      Schön, dass du das auch so siehst. Ich danke dir! <3

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