Sunday Column: Über Selbstliebe und Selbstfindung

Ich stelle einfach mal die Behauptung auf, dass ich mich noch nie so verändert habe, wie im letzten Jahr. Nicht mal in der Pubertät. Zumindest habe ich es nie so bewusst wahrgenommen, wie in der letzten Zeit. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. In mir selbst, in meinem Leben. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und unheimlich beruhigend. Ich habe mich weiterentwickelt. Mir Ziele gesteckt und verfolgt, Menschen aus dem Leben gestrichen, bin mehrmals hingefallen und nach kurzem liegenbleiben aufgestanden und weitergegangen. Meine Prioritäten haben sich verändert, mein Selbstbild hat sich verbessert. Ich habe mich verändert.

Ich habe mich nie durch die Bewunderung oder Liebe eines männlichen Wesens definiert; Wusste schon als Teenager was und wen ich nicht wollte und trotzdem gab es das ein oder andere Erlebnis, das mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Da waren plötzlich die Gedanken, die ich eigentlich nie zuließ – außer in diesen schwachen Momenten: Bin ich nicht gut genug? Was stimmt nicht mit mir? Auch wenn man innerlich weiß, dass es nicht an einem selbst liegt und die Floskel, die man so oft hört auch nicht selten der Wahrheit entspricht, schießen mir nach Enttäuschungen genau diese Fragen in den Kopf. Daran kann ich nichts ändern und das ist auch gut so. Schwache Momente müssen zelebriert werden. Wir müssen manchmal einfach eine Woche weinen und uns selbst scheiße finden, bis wir den Augenblick erleben, in dem wir uns fragen „Was zur Hölle ist eigentlich los mit mir?“, unsere Krone richten, uns aufrappeln und weitermachen.

Das Ding mit der Selbstliebe

Solche Momente hatte ich im letzten Jahr sehr oft. Enttäuschungen über Enttäuschungen. Ich habe sie immer wieder akzeptieren müssen und mein Leben weitergelebt. Manchmal schnell, manchmal habe ich einfach ein bisschen mehr Zeit gebraucht. So lange man immer wieder aufsteht, ist es egal wie lange man liegengeblieben ist. Immerhin hat man von da unten auch einen schönen Blick in den Himmel. Und ich bin daran gewachsen. Alles was ich erlebe, hat einen Grund. Jede Enttäuschung ist eine Lehre, das Leben macht nunmal seine eigenen Pläne – ob du mitziehst oder nicht. All diese Enttäuschungen haben mich verändert. Wer nicht in meinem Leben sein möchte, dem halte ich die Tür auf. Wer meine Zeit verschwendet, wird ausgebremst. So einfach ist das.

Ich stehe jeden Morgen auf, setze mich mit meinem Laptop an meinem Küchentisch, schmeiße meine Lieblingsplaylist an und trinke meinen Kaffee. Alleine. Und dieses Gefühl, ist genau das, was ich momentan brauche. Ich brauche keine zweite Hälfte, weil ich keine Hälfte bin. Ich bin alleine ein ganzer Mensch. 100% aus Fleisch und Blut. Ich konzentriere mich auf mich, auf mein Leben, meine Ziele und das was ich will. Nur ich. Und ich bin glücklicher als je zuvor.

Es ist manchmal notwendig sich selbst zu wählen. Alleine zu sein, um sich zu finden und am Ende der Mensch zu sein, den andere lieben sollen. Und bevor zweite, dritte oder vierte dich lieben, musst du dich selbst lieben. Es ist mehr als traurig, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Selbstliebe als Arroganz fehlinterpretiert wird und man nur verlegen grinst, wenn man ein Kompliment bekommt, dem man innerlich sogar zustimmen würde. Wir lieben Sportarten, materielle Dinge, andere Menschen – warum zum Teufel dann nicht uns selbst? Sich im eigenen Körper wohlzufühlen und seinen Charakter, seine dämliche Lache und schönen Augen genau so zu lieben, wie wir das ohne mit der Wimper zu zucken bei anderen machen – das sollte selbstverständlich sein.

„The most important relationship in your life is with yourself.“

15 Kommentare

  1. August 20, 2017 / 9:13 am

    wow, das klingt wirklich motivierend! Ich hoffe ich komme auch mal an diesen Punkt – ich bewundere dich wirklich dafür, dass du das alles so super hinbekommst! Und diese Fotos <3

    Liebst,
    Alena
    lookslikeperfect.net

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    • maedchenhaft
      August 20, 2017 / 9:24 am

      Das wünsche ich wirklich jedem <3 Danke dir! 🙂 das ist sehr motivierend hihi.

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  2. Lara
    August 20, 2017 / 9:39 am

    Sehr schöner Beitrag! Ich kann dir nur zustimmen.
    Schöne Worte! 🙂

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  3. Romina
    August 20, 2017 / 10:48 am

    Sehr toller Beitrag! Mir geht es zur Zeit genau so. Ich glaube die 20er sind einfach noch mal eine extreme Selbstfindungsphase, die einem unheimlich gut tut! 🙂

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  4. Liska H
    August 20, 2017 / 2:40 pm

    Omg, du hast es zu 100% auf den Punkt gebracht. Ich habe auch gelernt mich selbst zu lieben. Aus Tiefpunkten kommt man stärker wieder heraus, als man vorher war. Meine Schwester nennt meine Selbstliebe auch arrogant. Aber irgendwann wird sie den Moment haben, wo sie anfängt sich selbst zu lieben. Ich finde es so wichtig, sich selbst zu lieben. Denn man braucht keine bessere Hälfte, wenn man selber der Mensch ist, den man liebt.

    Danke für diesen Beitrag!
    Allerliebste Grüße, Liska

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    • maedchenhaft
      August 20, 2017 / 3:54 pm

      Ich glaube je älter man wird, desto mehr lernt man sich selbst zu lieben und auch zwischen Arroganz und Selbstliebe zu unterscheiden – sind schlichtweg zwei unterschiedliche Dinge! Danke dir <3

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  5. Tatjana
    August 21, 2017 / 8:14 am

    Wow, ich kann dir wirklich zu 100% zustimmen und finde mich selbst in deinem Geschriebenen wieder! Du kannst wunderbar mit Worten umgehen -Respekt
    Liebe Grüße
    Tatjana

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  6. August 21, 2017 / 8:31 am

    „Sich im eigenen Körper wohlzufühlen und seinen Charakter, seine dämliche Lache und schönen Augen genau so zu lieben, wie wir das ohne mit der Wimper zu zucken bei anderen machen – das sollte selbstverständlich sein.“ … <3 so viel Liebe für diese Kolumne, mein Schatz! Du weißt, wie stolz ich auf dich bin!

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  7. August 21, 2017 / 7:50 pm

    Janaaaaa <3 Blogpost passend zu meiner Gefühlslage gesucht und bei dir gefunden. Wir wissen, dass wir gut sind. und wir wissen, dass wir uns mögen. Doch in Momenten der Enttäuschung und Zurückweisung wird das automatisch ausgeblendet. Sind wir doch nicht so, wie wir denken? Bilden wir uns den tollen Menschen ein? Sind wir doch anders und deswegen will er mich nicht? Oft ist es schwer aus diesem Strudel rauszukommen, denn wenn man aufsteht wird einem nur schwindelig. Also lieber nochmal liegen bleiben, ausruhen und dann von Neuem und mit neuer Motivation weiter der super Mensch sein, der man ist. Auch wenn es manchmal schwer fällt und diese Enttäuschungen langsam Narben hinterlassen.

    – Franzi

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  8. Catrin
    August 24, 2017 / 12:57 pm

    Hallo Jana,

    Ich bin relativ neu auf deinem Blog unterwegs und finde es wirklich total schön und mutig, wie du in dieser Kolumne, sowie in der „Allein, allein“ mit unter darüber schreibst, dass es völlig ok ist, alleine zu sein. Ich habe das Gefühl, dass viele in unserem Alter das etwas anders sehen. Ich muss sagen, dass ich meine Zeit alleine immer total genieße und irgendwie auch aus dieser Zeit meine Energie hole, obwohl ich leider nicht wirklich sagen kann, dass ich mich schon gefunden habe. Aber dazu habe ich auch noch Zeit, denke ich. Und deine Worte haben mich irgendwie auch ermutigt so weiterzumachen, auch ohne Partner. Ich denke es ist ganz wichtig zu wissen, dass man ein vollständiger Mensch ist und eigentlich keine zweite Hälfte braucht, wie viele das so schön sagen.
    Danke dafür und liebe Grüße,
    Catrin

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    • maedchenhaft
      August 24, 2017 / 7:47 pm

      Es freut mich unheimlich, dass du das auch so siehst! Man kann nur eine vernünftige Beziehung eingehen, wenn man sich selbst liebt! Ganz viel Liebe!

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  9. August 26, 2017 / 6:54 pm

    Du Liebe, deine Texte sind immer wieder so wundervoll. Ich habe manchmal diese Gedanken, dass ich alles an mir doof finde und ich mich im Endeffekt frage: Was tue ich denn hier?
    Du hast es auf den Punkt gebracht: „Sich im eigenen Körper wohlzufühlen und seinen Charakter, seine dämliche Lache und schönen Augen genau so zu lieben, wie wir das ohne mit der Wimper zu zucken bei anderen machen“
    Ich glaube genau das muss ich ab und zu mir immer wieder vor Augen halten!

    Liebste Grüße

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