Sunday Column: Hilfe, ich denke zu viel nach

Manchmal bin ich selbst mein größter Feind. Nicht ich als Person, sondern viel mehr meine Gedanken. Ich bin ein Mensch, der über alles nachdenkt. Alles zerdenkt. Und sich somit das Leben schwerer macht, als es eigentlich ist. Wenn ich abends im Bett liege, denke ich über alles nach. Ich wache morgens auf, weil mein Gehirn schon im Halbschlaf Szenarien erfindet und die Gedanken schon wach sind, bevor ich es überhaupt bin.

Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass man nicht alles in dieser Welt beeinflussen kann. Ich habe mich viel mit dem Schicksal beschäftigt und somit für mich selbst einen Weg gefunden, Dinge zu akzeptieren. Damit tat ich mir auch immer sehr schwer: Akzeptant. Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Ich bin ein Kämpfer, in jeder noch so aussichtslosen Schlacht würde ich bis zum bitteren Ende auf dem Feld stehen. Aber seitdem ich versuche ans Schicksal zu glauben, lebe ich viel leichter, hinterfrage nicht mehr alles und nehme es hin wie es kommt. Mehr oder weniger. Ich bin immer noch dabei es zu lernen.

6e53929b8b7cf49ed3386584bf591b46Aber es gibt Tage, da kann ich noch so viel ans Schicksal glauben und mir hundert Mal einreden, dass alles kommt wie es kommt, mein Gehirn und meine Gedanken wollen das nicht akzeptieren. Manchmal fühlt es sich so an, als herrsche in meinem Kopf Krieg. Ich versuche dagegen anzukämpfen, zu viel nachzudenken. Mir fehlt die Gelassenheit, einfach mal alles auf mich zukommen zu lassen. Weil ich immer alles unter Kontrolle haben muss. Um mich gut zu fühlen. Wenn ich etwas nicht beeinflussen kann, mache ich mich so lange verrückt, bis ich komplett in Panik ausbreche. Aber ich versuche mich zu bessern.

Manchmal wäre ich gerne wie mein Bruder. Wenn ich mir zu viele Gedanken mache, macht er sich gar keine. Bei der Führerscheinprüfung aufgeregt sein? Die Klasse wiederholen? Zukunftsängste haben? Für meinen Bruder alles kein Problem. Er ist die Entspanntheit in Person und vollkommen ausgeglichen. Das wäre ich auch gerne.

Es ist ein dumpfes Gefühl, das ich manchmal habe. Und Hilflosigkeit. Weil ich es nicht ändern kann, obwohl ich es gerne tun würde. Ich bin kein Bauchmensch. Ich bin ein absoluter Kopfmensch, schon immer. Und das ist wahnsinnig anstrengend. Ich wünschte mir, ich könnte Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen, einfach weil es sich gut anfühlt. Stattdessen habe ich hunderte Pro-und-Kontra-Listen und Szenarien in meinem Kopf. Manchmal handle ich auch aus purer Intuition. Aber meinen Kopf komplett ausschalten – das kann ich nicht.

2017 würde ich gerne genau das lernen – Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen, ohne mich selbst verrückt zu machen. Ich tue mir sehr schwer damit die Kontrolle abzugeben, aber das möchte ich im neuen Jahr lernen. Ich möchte einfach mal leben, ohne mich zu fragen: Warum, wieso, weshalb? Ich möchte gelassener werden und mir selbst weniger Stress machen.

Was sind eure Vorsätze?

8 Kommentare

  1. Januar 8, 2017 / 2:33 pm

    Liebe Jana,

    Mir geht es da genauso wie dir. Ich zerbreche mir meinen Kopf mit all den unnötigen Gedanken. Oft finde ich abends keine Ruhe weil ich den kompletten Tag Review passieren lasse, suche nach Fehlern, sortiere Situationen und Gedanken und mache mir schon Gedanken über den nächsten Tag. Besonders schwer fällt mir auch der Jahreswechsel. Immer nach Neujahr fange ich an meine Lebenssituation zu überdenken und alles in Frage zu stellen. Für mich ist dieses Jahr ein Ziel, mehr zu leben und ein bisschen weniger Kopfzerbrechen.

    Ganz liebe Grüße
    Jenny

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    • maedchenhaft
      Januar 8, 2017 / 4:59 pm

      Oh man wir sind echt gestraft 😀 Aber ich hoffe wir schaffen das <3

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  2. Januar 8, 2017 / 7:47 pm

    Schöner Post, danke für deine Ehrlichkeit 🙂 Mir geht es auch oft so und ich habe leider noch kein Patentrezept dagegen gefunden. Solange es einen nicht zu sehr belastet kann diese Art einem ja auch von Vorteil sein, also dass man Vor- und Nachteile abwägt und nicht alles überstürzt. Es hat ja leider jeder so seine Schwächen und Dämonen gegen die man ankämpfen muss 🙂

    Alles Liebe,
    Fee

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  3. Januar 9, 2017 / 12:26 pm

    Feel You!
    Ich weiß auch, dass ich mir vieles – sei es nun bei Männern oder ganz banalen Dingen – dadurch schon versaut hab, aber in 9 von 10 Fällen kann ich meinen Kopf einfach nicht ausschalten, egal wie sehr ich es möchte. Möchte 2017 auch daran arbeiten 🙂

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  4. Januar 9, 2017 / 12:48 pm

    Du hast das absolut ehrlich geschrieben, mein Schatz. Aber jeden Kampf, egal ob in deinem Kopf oder auf dem Schlachtfeld, stehen wir gemeinsam durch. Den Weg, der meist unvorhersehbar ist aber dennoch so akzeptiert werden muss, wie er ist, mit Schicksal zu begründen, ist schon mal ein guter Anfang. Was das betrifft muss und sollte ich auch an mir arbeiten… much love ♥

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  5. Januar 9, 2017 / 2:47 pm

    Hey, sehr schöner Text! Da hast du dir aber etwas für das Jahr 2017 vorgenommen! Ich wünsche dir bei deinem Vorsatz gaanz viel Glück. Ich habe auch einen Bruder. Während er die Schule nach dem Motto: Ach, scheiß drauf. Ich zocke lieber, meistert, kriege ich Kreisrundenhaarausfall, weil ich so eine Prüfungsangst habe.
    Ich kann Dinge auch sehr schwer akzeptieren und bin oft mit vielen Dingen nicht zufrieden. Das fängt an mit meinen Bildern für meinen Blog bis hin zu meinem eigenen Körper. Bin ich zu dick? Zu klein? Wieso wachsen meine Haare nicht schneller? Selbstzweifel…
    Ich möchte mir für 2017 vornehmen, zufriedener zu sein. Ich muss lernen, den Moment zu genießen und nicht an Morgen und an die nächsten Momente zu denken.
    Liebe Grüße
    Julia
    http://www.aboutjulia.de

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  6. Januar 10, 2017 / 5:59 pm

    Liebe Jana,

    toll, dass Du dieses Thema ansprichst! Es ist unheimlich wichtig, über Erlebtes, Bevorstehendes oder über Eventualitäten nachzudenken. Nur so verarbeiten wir, lernen wir. Vielen ergeht es genauso, aber nur ein Bruchteil fasst den Mut zusammen und spricht darüber. Was im Grunde der beste Weg zur Besserung ist. Schreiben hilft auch. Gedanken sortieren. Deshalb sei stolz auf dich, dass Du solch ein sensibles Thema ansprichst.

    Liebst, Juliet

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