5 Dinge, die ihr über ein geisteswissenschaftliches Studium wissen solltet

Mein Studium neigt sich dem Ende zu und im Oktober beginnt für viele Erstis ein neuer Lebensabschnitt – Wahnsinn, dass vor genau drei Jahren ich an dem Punkt stand. Ich werde mein Studium mit einem lachenden und einem weinenden Auge beenden und dachte mir, in diesem Post ein bisschen Aufklärungsarbeit zu leisten. Einen ausführlichen Post habe ich bereits hier verfasst. Heute möchte ich ein bisschen knapper und allgemeiner darüber reden. Vielleicht stehen einige von euch vor der Frage: Geisteswissenschaften – ja oder nein? Und ich kann euch hiermit einen kleinen Einblick geben. Tatsächlich kann ich diese Punkte nicht auf jedes Studium der Geisteswissenschaft in Deutschland anwenden – ich spreche hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen an der Uni zu Köln. Wie das an anderen Uni’s ist kann ich nicht beurteilen, freue mich aber über eure Erfahrungen und bin gespannt ob es sich stark unterscheiden wird.

Klausuren – was ist das?

Und kann man das Essen? Wir Geisteswissenschaftler werden selten mit Klausuren konfrontiert und müssen uns nach Beendigung der Einführungsmodule mit Hausarbeiten quälen. In meiner gesamten Uni-Laufbahn komme ich auf sechs Klausuren und das bei einem 2-Fach-Bachelor. Ich kenne diese berüchtigte Klausurenphase nicht, bei mir heißt es eigentlich das ganze Semester über Hausarbeitsphase. Oder Referate. Oder Essays. Oder Ausarbeitungen. Das hat Vor- und Nachteile. Ich weiß zB. seit der Oberstufe nicht mehr, wie man richtig lernt, kann dafür allerdings wissenschaftliche Arbeiten schreiben und die Bachelorarbeit wird mehr oder weniger ein Klacks. Ich finde es tatsächlich sehr fraglich, wie man eine Bacheloratbeit schreiben soll, wenn man kaum wissenschaftliche Arbeiten abgeben musste? Für uns Geiseswissenschaftler ist die Bachelorarbeit quasi nur eine weitere Hausarbeit (mit 10-15 Seiten mehr).

Ab jetzt heißt es selbstständig sein

Oder auch nicht. Aber das ist dann euer Problem. Wir Geisteswissenschaftler träumen von vorgegeben Stundenplänen und einem organisierten Studiumsablauf. Ein Semester lang nichts belegen? Juckt keinen. Am Ende geht das alles mit dir heim. Ich habe im 2. Semester in Kunstgeschichte nichts belegt, weil ich leider noch nicht wirklich wusste wie denn Uni so funktioniert. Gemerkt habe ich das erst im 4. Semester und musste dann einiges nachholen, um nicht noch Jahre länger zu studieren. Das kann auf jeden Fall auch ein Vorteil sein: Ihr könnt euch alles so einteilen, wie es euch am besten passt, aber habt dann eben auch die Verantwortung dafür. Ich muss sagen, dass ich damit ganz gut gefahren bin. Vor allem nachdem ich gemerkt habe, dass…

Dein Modulhandbuch dein bester Freund ist

Als wir in der ersten Woche dieses rote Heftchen im Geschäftszimmer des IDSL 1 in die Hand gedrückt bekommen haben, wussten wir alle noch nicht, dass dieses Büchlein für die kommenden Jahre unsere Bibel sein wird. Das ist keine Übertreibung. Sobald man das Modulhandbuch verstanden hat, macht auch das ganze geisteswissenschaftliche Studium Sinn. Im 4. Semester kam mir die Erleuchtung – wurde dann auch mal Zeit. Im Modulhandbuch bekommt ihr ein ganzes „Musterstudium“ gezeigt: In welchem Semester ihr bestenfalls was belegen solltet, wie sich eure Note errechnet und was ihr neben euren normalen Leistungen noch erbringen müsst. Und das ist beim geisteswissenschaftlichen Studium gar nicht so wenig: Bibliotheksführungen, Exkursionen, informierende Pflichtveranstaltungen, eigenständige Studien etc. Mittlerweile kann ich meine Modulhandbücher auswendig.

Es zählt nix

Das ist ein bisschen primitiv ausgedrückt, stimmt aber eigentlich. Die ersten vier Semester meines Studiums waren völlig unnötig, wenn man es auf die Endnote herunter bricht. Denn endnotenrelevant sind genau vier Module und die Bachelorarbeit (30%) – wow, thanks for nothing. Jeder meiner Freunde, dem ich das erzähle, schaut mich nur irritiert an und schüttelt den Kopf. Es zählt auch nicht jede Prüfung einzeln, sondern die jeweilige Modulabschlussprüfung in den Aufbau- und Schwerpunktmodulen. Die gefürchtete Bachelorarbeit macht so gut wie kaum was aus, was den ein oder anderen sicher aufatmen lässt.

Du hast ein richtiges Studentenleben

Das geisteswissenschaftliche Studium ermöglicht dir ein typisches Studentenleben: viel feiern, wenig Aufwand. Gut, das stimmt auch nicht ganz, denn spätestens im 5. Semester musst auch du ranklotzen. Das merke ich auch seit einem Jahr. Wir haben zwar keine Klausurenphase, aber es ist auch nicht selten, dass man drei Hausarbeiten an dem gleichen Datum abgeben muss und dann wären wir auch schon wieder bei der Selbstorganisation. Ihr glaubt mir gar nicht, wie oft ich da dann lieber 5 Klausuren geschrieben hätte…Trotzdem muss ich sagen, dass ich die drei Jahre sehr genossen habe. Die erste Zeit habe ich mich etwas unterfordert gefühlt, weil ich noch jung und wissbegierig war, aber die Zeiten sind jetzt auch vorbei. In einem geisteswissenschaftlichen Studium hat man selten mal wirklich Semesterferien, da muss man dann meistens die Hausarbeiten schreiben, für die man unterm Semester aufgrund von Referaten und Essays keine Zeit hat.

Merke: Ein geisteswissenschaftliches Studium fördert deine Selbstständigkeit in vielen Bereichen und mit dem sturen Bulemielernen wirst du nicht konfrontiert. Du eignest dir Inhalte selbstständig an, kannst wissenschaftlich Arbeiten und musst ganz bestimmt niemals Taxifahren.

7 Kommentare

  1. August 9, 2017 / 1:11 pm

    Heyhey,
    schön, wenn auch mal über uns Geisteswissenschaftler auf Blogs geschrieben wird! Danke dafür. Allerdings gab es bei mir in Freiburg zum Beispiel Anwesenheitspflicht in Seminaren und Vorlesungen. Zudem zählte auch schon die erste Hausarbeit mit in die Endnote. Das selbständige Arbeiten blieb trotzdem im Mittelpunkt und ist meiner Meinung nach auch für die Zukunft eine ziemlich gute Lektion. Im Berufsleben wird ja später auch nur am Ende nach dem Ergebnis gefragt 😉
    Schöne Grüße

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    • maedchenhaft
      August 9, 2017 / 1:54 pm

      Hey, danke für deine Erfahrungen! In Köln gab es auch eine Anwesendheitspflicht, die wurde aber größtenteils abgeschafft. Ich finde das selbstständige Erarbeiten von Dingen auch super wichtig fürs spätere Leben – was bringt es mir schon, dass ich Sachen auswendiglernen und dann wieder vergessen kann…

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  2. August 9, 2017 / 1:18 pm

    Ich habe noch auf Diplom studiert (Pädagogik) und in meinem gesamten Studium eine einzige Hausarbeit geschrieben. Für die hab ich nicht mal einen Schein bekommen, ich sollte die nochmal überarbeiten und dachte mir „Fuck it“, den Schein krieg ich auch woanders. Der Rest waren Referate (mit Ausarbeitung natürlich), Projekte und auch hier und da durchaus Klausuren.

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    • maedchenhaft
      August 9, 2017 / 1:54 pm

      Ach krass! Und musstest dann trotzdem eine Bachelorarbeit schreiben? Das finde ich echt krass, wenn man sonst nie wissenschaftliche Arbeiten schreiben musste!

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  3. August 10, 2017 / 8:23 am

    Als Geisteswissenschaftler stimme ich dir stellenweise zu, als Wirtschaftswissenschaftler schüttle ich vehement den Kopf 😛

    LG
    Johannes

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  4. August 19, 2017 / 1:02 pm

    Sehr schöner Post, vor allem für alle. die mit dem Gedanken spielen, Geisteswissenschaften zu studieren. Ich hab Englisch und Italienisch studiert und muss dir definitiv darin recht geben, dass man richtig selbständig wird. Das bringt mich bis heute noch voran. 🙂

    Liebe Grüße
    Ari

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